| Privatdozent Chefarzt Dr. Wolfgang Schafhauser spricht in Selb und Marktredwitz
Aus der Vortragsreihe "Treffpunkt Klinikum"
Ein Großteil der Männer ist davon betroffen: Erkrankungen der Prostata
Eine sehr große Zuhörerschaft – dem Thema entsprechend überwiegend Männer – konnte der Geschäftsführer des Klinikums Fichtelgebirge Martin Schmid am Dienstag in Selb und am Donnerstag in Marktredwitz begrüßen. Privatdozent Dr. Wolfgang Schafhauser, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie, referierte im Rahmen der Vortragsreihe „Treffpunkt Klinikum" über „Erkrankungen der Prostata – was Männer darüber wissen sollten".Das etwa kastaniengroße Organ Prostata, das einen Großteil der Samenflüssigkeit produziere, erläuterte Dr. Schafhauser, liege unterhalb der Harnblase und bestehe aus einzelnen Drüsen, die von Muskeln, Fasern und Bindegewebe umgeben seien. Als eine der häufigsten Erkrankungen der Prostata könne die gutartige Prostatavergrößerung (Benigne Prostata-Hyperplasie, „BPH") genannt werden: Schon ab dem 40. Lebensjahr vergrößere sich die Prostata-Innendrüse; bis zum 60. Lebensjahr seien die Hälfte der Männer, von den über 80jährigen bereits 90% betroffen. Das Anfangsstadium, so der Urologe, sei gekennzeichnet durch Beschwerden beim Wasserlassen, gestörte Nachtruhe sowie gelegentlichen unkontrollierbaren Urinverlust. Später leide der Betroffene unter fortwährendem Harndrang, Schmerzen, bis hin zu Fieber und Schüttelfrost. Unbehandelt könne es sogar zur Urinvergiftung kommen. Begebe man sich jedoch rechtzeitig in Behandlung, genüge zu Beginn oft eine Therapie mit pflanzlichen Mitteln. Darüber hinaus stünden der urologischen Abteilung des Klinikums gute und wenig belastende Operationsmethoden zur Verfügung, wie die endoskopische Schlingenabtragung, das Greenlight-Laser-Verfahren oder die offene Ausschälung. Die gutartige Prostatavergrößerung habe nichts mit dem gefürchteten Prostatakrebs zu tun, betonte der Referent. Mit mehr als 49.000 Neuerkrankungen und über 10.000 Todesfällen im Jahr in Deutschland sei das Prostatakarzinom die häufigste und schwerwiegendste Tumorerkrankung des Mannes, Tendenz steigend. Laut Statistik bekämen 13% aller Männer im Lauf ihres Lebens Prostatakrebs. Risikofaktoren seien Alter, ungesunde Lebensweise, erbliche Vorbelastung oder hormonelle Befindlichkeiten. Was Dr. Schafhauser vom Klinikum Fichtelgebirge, den Chefarzt einer der größten und ersten urologischen Abteilungen Bayerns, keine Ruhe lässt, ist die Tatsache, dass der Prostatakrebs am Anfang, wenn noch gute Heilungschancen da wären, keinerlei Beschwerden verursacht. Von den etwa 120 Tumoroperationen auf seiner Station im letzten Jahr, bedauert Schafhauser, hätten lediglich 30 Patienten im Frühstadium betroffen. Nur dann jedoch seien schonende und potenzerhaltende Methoden möglich. Die Vorsorge ab 45 nähmen nur etwa 20 % der Männer wahr, und auch diese Tastuntersuchung könne sehr kleine Tumoren nicht entlarven. Mehr bringe die so genannte PSA-Wert-Bestimmung. Das „Prostata-spezifische-Antigen", ein Eiweiß, gebe Aufschluss über die Wahrscheinlichkeit einer Tumorerkrankung der Prostata, wenn der Wert in Folge kontinuierlich steige. Eine anschließende Biopsie schaffe dann weiter Klarheit.Die Heilungsaussichten bei Prostatakrebs, so der Referent, hingen natürlich vom Stadium der Erkrankung, von der Aggressivität der Krebszellen, dem Alter und Allgemeinzustand des Patienten ab. Behandeln könne man durch die operative Entfernung der Prostata, Strahlentherapie, Hormon- und Chemotherapie. Etliche Betroffene nutzten nach dem Vortrag die Gelegenheit, mit dem Chefarzt ein persönliches Gespräch zu führen. Ein großes Anliegen ist dem Urologen sowie der Klinikleitung die Etablierung einer Selbsthilfegruppe in der Umgebung. Dafür warb an diesem Abend auch Geschäftsführer Martin Schmid unter den Zuhörern. In der neuen Selbsthilfegruppe können Therapiemöglichkeiten aufgezeigt und Informationen über entsprechende Angebote ausgetauscht werden; nicht zuletzt bietet sich hier auch ein geschützter Raum, wo offen über eine zuweilen noch tabuisierte Krankheit gesprochen werden kann. Kontakt (ab Juli wieder erreichbar): Albrecht Saar, Tel. 09284/ 7977. Auskunft erteilt auch das Sekretariat der Urologischen Klinik: 09231/809-2401.
