"Wann brauche ich ein Kunstgelenk?"

| Vortrag von Chefarzt Raymund Bay


Vor einem sehr zahlreichen Auditorium in den beiden Häusern des Klinikums Fichtelgebirge referierte Chefarzt Ramund Bay, der seit April 2011 die Gesamtleitung der Unfallchirurgie sowie des Endoprothetischen Zentrums innehat, zum Thema „Gelenksarthrose – Wann brauche ich ein Kunstgelenk?"

Viele verschiedene Gelenke, so Bay, würden für die Beweglichkeit und Funktionstüchtigkeit des Körpers sorgen, angefangen vom einfachen Scharniergelenk des Knies bis hin zum differenzierten Bewegungsablauf des Schultergelenks. Ein Gelenk ernähre und repariere sich zum Teil auch selbst und sei als lebendiges Bindeglied zwischen den Knochen so jedem Kunstgelenk überlegen.

Früher oder später verschleiße es jedoch: Sechs Millionen Deutsche seien von der Volkskrankheit Nr 1 „Gelenksarthrose" betroffen. Zunächst handle es sich um eine Erkrankung des Knorpels und werde bei Fortschreiten schließlich zur Knochenerkrankung.

„Nicht jede Arthrose muss operiert werden!" erläuterte der Referent. Viele Patienten hätten nicht allzu schwere chronische Schmerzen mit Medikamenten, Bewegung und eventuell orthopädischem Schuhwerk im Griff. Wenn die Schmerzen jedoch unerträglich seien, es keine nächtliche Erholung mehr gebe, Schwellungen, Bewegungseinschränkung und Funktionsverlust hinzukämen, müsse sich der Patient entscheiden. Ausschlaggebend seien immer auch das Alter und die individuelle Lebensqualität, die wiedergewonnen werden soll.

Ganz wichtig sei es, vor der Operation keine Infektionen im Körper zu haben; manchmal könne ein Besuch beim Zahnarzt nötig sein. Wegen Übergewicht, so Bay, werde im Normalfall kein Patient mehr weggeschickt; allerdings sollte das Rauchen ernsthaft aufgegeben werden.

Eine vollständige Schmerzfreiheit sei mit einem Kunstgelenk nur bei wenigen Patienten zu erreichen; erstes Ziel sei die Beweglichkeit. Auch Geduld mit sich selbst müsse der Operierte haben und sich an die ärztlichen Anweisungen halten: „Das Kunstgelenk selbst ist zwar vom ersten Tag an belastbar, die Gelenkkapsel jedoch, die ja beim Eingriff geöffnet werden muss, benötigt etwa drei Monate, bis sie vernarbt und wieder stabil ist!"

Bei der Endoprothetik, erklärte Chefarzt Bay, handle es sich für die Medizinindustrie mittlerweile um ein Millionengeschäft, auch gebe es ständig neue Modelle und Verbesserungen, die jedoch nicht so sehr die Form des künstlichen Gelenks, sondern vielmehr das Material beträfen. Eine Totalendoprothese weise eine Lebensdauer von 12 bis 15 Jahren auf; entscheidend für den Erfolg des Eingriffs und die Haltbarkeit des Implantats sei jedoch auch die Erfahrung des Operationsteams, das die optimale Technik beherrscht und weiterentwickelt. Auch deshalb habe es für den Patienten konkrete Vorteile, wenn sich spezialisierte Zentren wie die Endoprothetik im Haus Selb des Klinikums Fichtelgebirge bilden. Besonders erwähnenswert sei das moderne Navigationsgerät für schonende, minimal invasive Eingriffe, das Selb vorweisen könne. „Unser Ziel ist, Sie heimatnah und optimal endoprothetisch versorgen zu können!"

 


Chefarzt Raymund Bay