Mit über 30 000 Todesfällen pro Jahr rangiert der Schlaganfall auf Platz fünf der häufigsten Todesursachen in Deutschland. „STENO“ („Schlaganfallnetzwerk mit TElemedizin in NOrdbayern“), ein neues regionales Behandlungsnetzwerk, soll den jährlich rund 4.500 Schlaganfallopfern in Mittel- und Oberfranken eine noch effizientere Behandlung zugänglich machen.
Das Klinikum Fichtelgebirge ist als eine von elf Kliniken in Nordbayern in das Schlaganfallnetzwerk eingebunden. Drei Schlaganfallzentren – das Universitäts-Klinikum Erlangen, das Klinikum Nürnberg und das Krankenhaus Hohe Warte in Bayreuth stehen bereit, um die angeschlossenen Regionalkliniken bei der Diagnose und Therapie von Schlaganfallpatienten zu unterstützen. Über das Netzwerk kann der Arzt vom Klinikum Fichtelgebirge mit den entsprechenden Experten in den Schlaganfallzentren mittels neuester Kommunikationstechnologie Befunddaten austauschen und sich beraten.
Was hat „STENO“ konkret zu bieten? Neben einer 24-Stunden-Hotline für telemedizinische Fachgespräche, werden gemeinsame Diagnose- und Therapiestandards erarbeitet und regelmäßige Schulungen und Hospitationsmöglichkeiten für medizinisches Personal durchgeführt. Besonderer Wert wird auf die Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung gelegt werden, um ein rasches Erkennen der Erkrankung und richtiges Handeln zu fördern. Koordinator PD. Dr. René Handschu aus Erlangen und Chefarzt Dr. Bernhard Keller vom Klinikum Fichtelgebirge setzen dabei auf die Devise „Miteinander reden, voneinander lernen und gemeinsam stark sein!“
Ende des Jahres 2007 haben sich die elf beteiligten Kliniken zum neuen „Schlaganfallnetzwerk“ zusammengeschlossen . Das Klinikum Fichtelgebirge kann damit seinen Schlaganfallpatienten die bestmögliche medizinische Versorgung bieten.
So funktioniert Telemedizin beim Schlaganfall
In das Klinikum Fichtelgebirge wird ein Patient mit einer akuten Halbseitenlähmung und Verdacht auf Schlaganfall eingeliefert. Nach einer ersten Untersuchung durch den diensthabenden Arzt/die diensthabende Ärztin wird eine Computertomografie (CT) des Gehirns durchgeführt. Danach wird ein „Telekonsil“ in diesem Beispiel in der Neurologischen Universitätsklinik Erlangen angefordert. Dazu gibt es in einem Raum der Notaufnahme einen Multimediacomputer mit Videokamera.
Der Patient hört den Arzt vom Schlaganfallzentrum, spricht über ein Raummikrofon mit ihm und sieht ihn am Computerbildschirm.
Der Experte sitzt in der Neurologischen Universitätsklinik Erlangen an einem Computer. Er kann mit dem Patienten im Klinikum Fichtelgebirge sprechen und per Mausklick die Kamera steuern und so gemeinsam mit der Ärztin vor Ort den Patienten aus verschiedenen Blickwinkeln untersuchen und beurteilen. Auch die CT-Bilder des Gehirns kann er direkt am PC betrachten.
Nach Beurteilung der Befunde gibt der Experte aus der Universitäts-Klinik Erlangen an seine Kollegin im Klinikum Fichtelgebirge eine Empfehlung zur besten Behandlung des Patienten.
Zeit ist Hirn!
– mit dieser Formel klären Mediziner seit Jahren über den schnellen und fortschreitenden Verlust von Nervenzellen beim Schlaganfall auf:
Beim Schlaganfall geht in kürzester Zeit eine große Menge an Nervengewebe im Gehirn verloren. Grund für den Zellverlust ist eine fehlende Sauerstoffversorgung aufgrund von Durchblutungsstörungen. Da Nervenzellen ihre Fähigkeit zur Zellteilung verloren haben, sind abgestorbene Nervenzellen nicht regenerierbar. Fast zwei Drittel von rund 100.000 Patienten, die einen Schlaganfall im ersten Jahr überleben, sind aufgrund des großen Zellverlusts lebenslang behindert und pflegebedürftig. Schnelles Handeln im Notfall ist also unerlässlich, um möglichst viele Gehirnzellen zu retten! Handelt es sich bei dem Notfall um einen ischämischen Schlaganfall, bei dem ein Blutgerinnsel im Gehirn Ursache ist, kann dieses mit Hilfe einer medikamentösen Lyse-Therapie aufgelöst und so der Zellverlust begrenzt werden, um Spätfolgen möglichst gar nicht erst auftreten zu lassen. Die besten Ergebnisse werden mit dieser Behandlung erzielt, wenn sie so früh wie möglich – innerhalb der ersten drei Stunden nach Einsetzen der Schlaganfall-Symptome – angewendet wird.
Zuvor muss jedoch in jedem Fall durch Computertomografie der weniger häufige „blutige Schlaganfall“, der durch ein Zerreißen einer Ader zur Zerstörung von Hirnsubstanz führt, ausgeschlossen werden.
Handelt es sich – wie in 80 Prozent der Fälle – um einen ischämischen Schlaganfall, bei dem ein Blutgerinnsel die Durchblutung des Gehirns blockiert, breitet sich der Sauerstoffmangel sukzessive aus. Ein Teil des Gewebes, das so genannte Risikogewebe (Penumbra), kann bei rechtzeitig einsetzender Wiederherstellung einer ausreichenden Blutversorgung gerettet werden. Wie viel Gehirngewebe unwiederbringlich geschädigt wird, ist daher insbesondere eine Frage der frühzeitig einsetzenden und effektiven Therapie. Mit Hilfe der Thrombolyse, bei welcher der Schlaganfallpatient intravenös ein höchstwirksames Präparat erhält, kann die Hirndurchblutung durch Auflösung des Blutgerinnsels wiederhergestellt werden. Diese Lyse-Behandlung ist am effektivsten, je kürzer der Zeitabschnitt zwischen Symptom- und Therapiebeginn ist. Patienten, die einen Schlaganfall erleiden und innerhalb von drei Stunden ab Auftreten des Schlaganfalls thrombolytisch behandelt werden, haben eine bessere Überlebenschance und können ihren Alltagstätigkeiten unabhängiger nachgehen.
Bildnachweis: STENO-Netz
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